Ich drehe mich im Kreis.

Nun, da ich einen Termin in Nürnberg hatte, bin ich heute wieder in meiner Wohnung. Eigentlich nichts ungewöhnliches, aber ich möchte gern hier bleiben bis Freitag, auch wenn ich den Termin Freitag vielleicht nicht wahrnehmen kann. Ich brauchte ein wenig Abstand, ein wenig Ruhe. Ich muss einfach mal aufatmen, und das war bei Stefan zu Hause einfach nicht mehr möglich.

Ich weiss nicht wie lange das Problem jetzt schon besteht, aber Stefan kommt nahezu jeden Tag mit nörgeliger Laune heim, und wenn er mal gute Laune hat, dann MUSS ich auch gute Laune haben, aber so läuft das halt nicht. Oftmals überfordert er mich dann auch mit seiner übermässig guten Laune, und quatscht mich so zu, dass ich davon Kopfschmerzen bekomme, und alles dicht macht. An den anderen Tagen hingegen kommt kein ein gescheites Gespräch zustande, und das macht mir wirklich zu schaffen. Ich glaube das würde jedem so gehen.

Ich möchte manchmal einfach auch mal über Alltägliches reden, über Sachen die er so macht, einfach um an seinem Leben teil zu haben. Aber er sieht es als Angriff. Am WE warf er mir vor, ich würde ja sagen, dass er nichts tut. Hammer, wie kann er auf sowas kommen? Der Mann ist doch mit seiner Arbeit verheiratet, ich würde nicht mal im Traum dran denken das zu sagen, oder zu denken. Ich glaube, dass er da eher seine Sorgen, dass er nicht genug tut, oder nicht genug Geld raus kommt, auf mich projeziert. Gesagt habe ich sowas jedenfalls nie.

Mir gehen dazu einige Gedanken im Kopf rum, und ich glaube, nach der fetten Flaute Ende letztes Jahres bei seinem alten Arbeitgeber ist er irgendwie noch seltsamer geworden, und ich bin mir dabei sicher, das hat überhaupt nichts direkt mit mir zutun. Selbst jetzt ist er wieder der beste Verkäufer, aber es sind auch mehr die sich ein Büro teilen. Stefan, so ist mein Gefühl, zweifelt aber schon wieder an allem, ob der Wechsel richtig war, und so weiter und so weiter. Ich weiss nicht was er sich versprochen hat, aber am Ende hat er im Moment definitiv weniger raus, und das wird ihm zu schaffen machen. Leider spielt er da nicht mit offenen Karten, und das nach über zwei Jahren Beziehung. Muss man ein gemeinsames Konto haben um etwas über den aktuellen Lebensstandard wissen zu dürfen? Das will ich nicht glauben! Aber er wollte mich doch auch heiraten, und wenn man das macht, dann sollte man doch da auch ein gewisses Vertrauen zueinander haben, aber hat er das wirklich zu mir? Das kam mir schon mehrfach in den Sinn, weil ich nicht verstehe, wieso ich nie weiss wo wir gerade stehen. Das hört sich blöd an? Es fühlt sich noch blöder an.

"Zufällig" hab ich am Samstag erfahren, dass Stefan das Auto seiner Mutter schon mindestens über einen Monat verkauft hat, wenn nicht länger. Das war irgendwie total seltsam für mich. Nicht das er das nicht darf, nein das ist es nicht, aber ich hätte mir ehrlich gesagt gewünscht, dass er mit mir darüber auch mal redet. Das ist soooo seltsam alles mit ihm, und das schafft mich zunehmend. Da ist etwas, da ist eine riesige Sperre, und ich glaube er merkt das einfach nicht.

Aber um auf die aktuelle Situation zurück zu kommen. Nun bin ich ja in meiner Wohnung, und schon als er heute Abend vorbei kam um mir Geld zu bringen war er ganz anders zu mir, als wenn er heim in seine Wohnung kommt. Er redet dann sogar, wenn auch nur kurz, mit mir, und es gibt mal ein Küsschen. Er behandelt mich viel besser wenn ich hier bin, und er gibt sich seltsamer Weise wieder Mühe. Ich frage mich, wieso kann er das denn nicht wenn ich bei ihm zu Hause bin?  Er kann da richtig nett sein, da erinnert er sich sogar an seine Gentleman-Kenntnisse. Er lacht, er ist freundlich, und dann kann er gehen. Zu Hause erwartet ihn keiner der meckert, der sich beschwert, der auch noch Wünsche hat. Stefan ist der geborene Junggeselle, oder aber er braucht ein Hausmütterchen, etwas, dass ich für ihn niemals sein kann, und da ist der Hacken an der ganzen Sache. Das macht mich traurig, und ich kann es zu einem gewissen Punkt auch verstehen, dass er sich das so wünscht. Er hatte es ja immer so, eigentlich war er ja nie lange alleine, und seine Frauen waren bisher schlichtweg anders als ich. Ich passe nicht in das Schema, und das weiss er. Immer wieder frage ich mich, warum er sich dann keine andere sucht. Aus Faulheit? Oder weil er mich wirklich irgendwo liebt? Er sagt das zwar, aber ich fühle es nicht. Das kann er natürlich nicht verstehen, aber so ein Alltag kann auch viel kaputt machen, das ist ja kein Geheimnis. Er hat allerdings auch schon einmal gesagt, beim letzten großen Crash, dass er mich nicht mehr liebt, wie denn auch wenn er immer nur gemeckert wird. Ja so war das.

Unweigerlich denke ich an die Zeit zurück, als ich noch nicht in der eigenen Wohnung war, wie er da noch war. Eins ist klar, Stefan ist der Jenige meiner Männer, der ganz schnell auf Alltag umgestellt hat, und meint er ist sicher. Wenn er sich nur zu sicher fühlt, kann das schnell nach hinten los gehen, da sind schon ganz andere auf den hintern gefallen. Ich denke an vergangene Beziehungen, und auch da war ja nicht alles schlecht, wenn gleich irgend etwas immer zum Aus führte. Es gab dabei Männer, die haben mich wirklich auf Händen getragen. Für die war ich ihre Prinzessin. Selbst diese Männer mussten mir immer wieder zeigen, dass sie mich lieben, sonst drehte mein Verstand nur all zu schnell durch, und fing das Zweifeln an. Aber mit Stefan ist das alles anders.

Und bitte, jetzt soll mir keiner erzählen das liegt am Alter, das glaube ich nicht. Er ist einfach komplett anders. Und obwohl dieses "Schöne" ihm auch gefällt, das was er ja so abwertend Romantik nennt, kann er sich damit nicht identifizieren. Bei ihm im Kopf ist da wohl als erstes "das kostet mehr Geld als die einfache Standard-Version". DAS… macht mich traurig. Das macht mir dieses ganze Genießen" kaputt. Ich wünschte er würde verstehen, dass diese kleinen Liebesdienste viel von dem Zeigen, was man für den anderen empfindet…

Woche vorbei.

Und abermals ist eine Woche vorbei gegangen. Eine Woche voller Schmerz und Trauer, eine Woche voll von Gram.

Im Moment fühle ich mich wieder nicht vollkommen anwesend, die Tage vergehen ohne das ich mich daran beteiligen kann. Das klingt vielleicht bescheuert, aber genau so fühlt es sich für mich an. Die Müdigkeit die mich Anfang der Woche schon übermannte hielt wirklich bis zum Ende an. Heute war es zwar ein wenig besser, aber das Gefühl war nicht gut. Zusätzlich hab ich noch ziemlich fiese Schmerzen, die reißen mich zusätzlich aus der Bahn.

Der Tag heute war auch eher ruhig, eigentlich haben wir gar nix gemacht, ich bin außer mal zur Toilette zu gehen auch nicht aufgestanden, Stefan aber auch kaum mehr. Der war nur kurz Kuchen holen morgens, und am Abend war er beim Chinesen. So richtig viel gegessen hab ich trotzdem noch nicht. Mir ist nicht danach. Mal wieder das viele Nachdenken. Weiss nicht wie ich damit umgehen soll.

Gestern hingegen waren wir zuerst im Obstgärtle Essen. Als Vorspeise haben wir uns einen Obazda mit Brot geteilt, und für mich gab es dann gegrilltes Steak mit Kartoffelsalat und Kräuterbutter, und für Stefan gab es Cordon Bleu mit Kartoffelsalat. Als wir dort fertig waren bin ich kurz noch in den Netto der da gleich nebenan ist, und anschließend zum Hauptbahnhof Nürnberg. Für Stefan hab ich einen wichtigen Brief eingeworfen, und für mich hab ich Briefmarken für Karten geholt. Werd vermutlich diese Nacht dann auch noch welche schreiben. 

Danach war ich noch kurz im Bahnhof, bin aber im Eilschritt an den jungen Leuten die sich dort am hinteren Ausgang immer versammeln vorbei, weil mir jedes Mal wieder mulmig wird. Nicht das mir dort je einer was getan hätte, das ist es nicht, aber alleine möchte ich mich solch einer Gruppe auch gar nicht erst ausgesetzt sehen. Im Bahnhof war ich dann erst im Müller Karten kaufen, diesmal nur welche von Nürnberg, sind echt schöne dabei, und anschließend im NanuNana, wo ich ein Bild für Juli mitgenommen habe, Pinsel, und einen Danke Stempel. Stefan hat währenddessen im Auto auf mich gewartet, so musste er nicht verkrampft einen Parkplatz suchen, aber wir machen das dort meist so.

Zurück beim Auto waren wir ziemlich eingeparkt, manche Leute sind echt Deppen. Stefan hat uns aber trotzdem ohne anzuecken wieder aus der Lücke manövriert, guter Mann. Anschließend ging es dann zum Cinecitta, was trinken, und gegen 21Uhr sind wir in unseren Film gegangen "Die Möbius Affäre". Mir hat er gut gefallen, mal wieder ein Film aus Frankreich, diesmal allerdings ein Thriller.

httpv://www.youtube.com/watch?v=4m43T8BWJvg

Nach dem Film hab ich noch nen leckeren Crepe mit Banane und Schokosauce gegessen, was getrunken, und dann sind wir nach Hause. So waren wir kurz nach 24 Uhr wieder dort, haben die Katzen gefüttert, und Stefan schlief auch recht schnell ein, ich allerdings nicht.

Irgendwann meldete sich J. dann noch, ach und Nachmittag musste ich mir noch nen doofen Spruch von Y. gefallen lassen. Ich bin so enttäuscht wie das mit ihm geworden ist. 🙁 Aber ich kann es nicht ändern, irgendwie war es klar. Mit keinem mit dem C. je Kontakt hatte lief es auf Dauer gut. *seufz* Dabei dachte ich er ist anders.